Aus zwei Räumen dringen aufgeregte Schülerstimmen, ein altes Radio trällert – Musik aus dem Jahr 1941. Die Jugendlichen rufen sich Zahlencodes zu, fragen nach Briefen und müssen mit einem alten Drehscheibentelefon telefonieren, um an Informationen zu gelangen. Sie sind auf der Suche nach den Predigten von Kardinal von Galen, die er 1941 in der Lambertikirche von Münster gehalten hat. Predigten, in denen er sich vor den Kirchenbesuchern öffentlich gegen das sogenannte „Euthanasieprogramm“ der Nationalsozialisten stellte und die im Escape Room auf Flugblättern abgedruckt sind.
Das „Euthanasieprogramm“, bekannt als Aktion T4, war die systematische Ermordung von kranken und behinderten Menschen durch das NS-Regime. Auf Anordnung Hitlers wurden Betroffene ab 1939 in speziellen Einrichtungen getötet. Der Begriff „Euthanasie“ diente den Nationalsozialisten dabei als beschönigendes Tarnwort für dieses Verbrechen.
Um sich mit diesem historischen Hintergrund auseinanderzusetzen, besuchte der 10. Jahrgang der JAS Ostbevern den Escape Room des RELíGIO in Telgte. In einem Rollenspiel schlüpften die Schülerinnen und Schüler in die Rolle einer Pfadfindergruppe: Ihr Leiter wurde von der Gestapo verhaftet, nachdem er die Predigten von Clemens August Graf von Galen vervielfältigt hatte. Nun mussten sie versteckte Flugblätter finden und entscheiden, ob sie diese weiterverbreiten oder vernichten würden. Die Aussage einer Schülerin – „Ich hätte die Flugblätter damals gerne verteilt, aber die Angst vor den Konsequenzen hätte mich vermutlich davon abgehalten.“ – spiegelt die Mehrheit der Schülerschaft auf diese Frage wider.
Ergänzend beschäftigen sich die Jugendlichen im Religionsunterricht mit weiteren Gruppen und Personen, die Widerstand gegen die Nationalsozialisten geleistet haben. Der Escape Room bot einen anschaulichen Zugang zum Thema und regte die Schülergruppe dazu an, über Zivilcourage damals und heute nachzudenken.


